LiMA Lama

Heute mal wieder ein Link – zu einer spannenden Website, die ich kürzlich entdeckt habe und auf die ich immer mal wieder schauen werde:

LiMA Lama

Auf dieser Seite der Koordinierungsstelle Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung (KoMBi, Universität Hamburg) es viele Informationen, Statements und Videos rund um Sprachvielfalt und Mehrsprachigkeit. Besonders ist vor allem die Möglichkeit, eigene Fragen an das Lama zu stellen, sowie die Kinderseite mit Links zu Spielen und Aktivitäten. Kleiner Wermutstropfen dabei: viele Links laufen ins Leere…

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Theorie – Praxis

Nicht erst seit der Fortbildung mit den Erzieherinnen im Oktober geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf: Wie kann ein guter Austausch zwischen Theorie und Praxis gelingen? Zwischen Wissenschaft und Kindergarten? Zwischen Anwenderinnen und Theoretikerinnen?

In der Theorie ist es wohl schon seit einiger Zeit Konsens, dass Mehrsprachigkeit prinzipiell „gut“ ist und gefördert werden sollte. Es ist die Rede von der „Ressource Mehrsprachigkeit“ und auch in den aktuellen Materialien zur Sprachförderung wird die Bedeutung der Familiensprachen betont und darauf hingewiesen, dass diese in den Kindergartenalltag zu integrieren sind.

Aber wie gelangt dieses Wissen bzw. diese Überzeugung zu den Erzieherinnen und Erziehern? Zu den Eltern?

Klar, durch Aus-, Fort- und Weiterbildung. Aber reicht es tatsächlich aus, nur davon zu hören? Wie können die Bildungsveranstaltungen vorhandene Ängste, Vorurteile und Unsicherheiten erreichen? Wie kann sich Handeln verändern?

Diese Fragen scheinen mir im Moment gesellschaftlich sehr relevant zu sein – Vorurteile gegenüber und Ängste vor Einwanderern und Flüchtlingen beeinflussen massiv den öffentlichen Diskurs. Dringen die oft wiederholten Fakten, Richtigstellungen und Realitätschecks überhaupt durch? Hilft es, diese einfach immer und immer wieder zu wiederholen? Oder hat ein Teil der Öffentlichkeit mittlerweile auf Durchzug geschaltet?

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Update…

… es ist ja nicht so, dass ich gar nichts mehr schreibe. Zum Beispiel habe ich mich im Frühjahr mit einem gerade erschienenen Beitrag in der „mondial“ beschäftigt: Mehrsprachigkeit in Kindergärten: Ein Indikator für Willkommenskultur. 

Auch für diesen Blog habe ich ein paar halbfertige Beiträge in der virtuellen Schublade, aus der ich sie hoffentlich ganz bald herausholen kann…

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Vera Videoblog

Heute nur ein schneller Link zu einer tollen Seite, die ich vor kurzem entdeckt habe: Vera Videoblog. Kurze, informative Videos mit Statements von ganz unterschiedlichen Personen zu Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Unter anderem mit Gedanken von Erzieherinnen und Leiterinnen, Müttern, einer Bürgermeisterin, einem Journalisten, Familientherapeuten, Hirnforscher, Zeitforscher,…
Noch habe ich nicht alle Videos angeschaut. Aber ich kann schon ein Zwischenfazit wagen: Sehr anregend, interessant – und nett aufbereitet! Nicht zu lang, nicht zu kurz. Genau richtig zum Nach- und Weiterdenken.

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Nach dem Winter…

Die warmen Sonnenstrahlen der letzten Tage haben mich wieder aus dem Winterschlaf geweckt. Das tut so gut! Nicht mehr nur einfach und geradeso funktionieren, sondern wieder leben und den Kopf frei haben für Gedanken und Pläne, die über die nächsten Stunden und die dringendsten To-do-Listen hinausgehen…

In diesem Jahr möchte ich

  • auf in die Praxis! Verschiedene Projekte verwirklichen – mit Kindern, Erzieherinnen, in Schulen und mit Jugendlichen. Zuhause und in der weiten Welt….
  • und zurück in die Forschung 🙂 Neuen und alten Fragen nachgehen, viel überlegen, schreiben und diskutieren… soweit die Motivation trägt!

Mal schauen, wieviel ich tatsächlich umsetzen kann. Aber ich freue mich auf das kommende Jahr!

 

 

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Size ana okulunu gösterebilirmiyim? – Darf ich Ihnen den Kindergarten zeigen?

Auf der Suche nach Material für einen Deutschkonversationskurs bin ich in der Bücherei auf den „Dolmetscher für ErzieherInnen“ (klein & groß, Beltz Verlag) gestoßen und habe ihn direkt ausgeliehen. Eine gute Sache!

Auf 399 Seiten finden sich typische Äußerungen und Begriffe aus dem Kindergartenalltag in 10 verschiedenen Sprachen – wenn Deutsch mitgezählt wird, sogar in elf. Unterteilt sind die Wortlisten in ebenfalls elf Bereiche (und diese ganzen Elfen so kurz vor Karneval! Wenn das nicht mal ein Kostümhinweis ist… ):

1) Allgemeines wie z.­B. Begrüßungen, Bitte, Danke und „do widzenia!“

2) Zahlen, Wochentage, Monate und Farben

3) Kleidung, Zubehör und Spielzeug – hier fehlt mir aber definitv der wohl häufigste Ausruf im Kindergarten: „Aufräumzeit!“

4) Einrichtung: Räume / Einrichtung: Personal – „Je suis la stagiaire, voici la salle de bains…“

5) Ernährung & Lebensmittel – hier sehr gelungen: der freie Platz hinter ciruela und cebollas für eigene Eintragungen.

6) Erster Kontakt mit den Eltern und mit dem Kind – neben Sätzen zur Vorstellung der Einrichtung und der Personen finden sich in dieser Kategorie auch wichtige Fragen, mit denen die Erzieherinnen Informationen über das Kind bekommen können: Copilul dumneavoastrâ suferâ de o alergie? How can I contact you during the day? + Öffnungszeiten, Tagesablauf und Regeln

7) Befinden des Kindes – meine erste Assoziation für diese Überschrift waren Krankheiten usw. hier geht es aber eher um das Sozialverhalten, Eigenschaften, etc. des Kindes.

8) Familie – inklusive der (anscheinend) zentralen Frage: Ailenizde almanca konusan varmi – Spricht jemand in Ihrer Familie Deutsch?

9) Aktivitäten, Feste und Feiertage

10) Krankheit und Unfall / Verletzungen

11) Mitteilungen wie z.­B. Einladungen zu Elternabenden

 Auch wenn sich mir die Einordnung in die verschiedenen Kategorien nicht immer intuitiv erschließt – vor allem die Kategorie Mitteilungen, die mehr wie ein Sammelsurium sonst nicht zuordbarer Äußerungen erscheint, scheint der Dolmetscher wirklich die meisten relevanten Bereiche des Kindergartenalltags anzuschneiden. Und es geht ja auch gar nicht darum, einen kompletten Sprachkurs anzubieten, sondern darum, den Erzieherinnen einzelne Äußerungen in den Sprachen der Familien an die Hand geben, mit denen eine „Geste des Aufeinanderzugehens“ (S.4)  zu ermöglichen. So wird Interesse und Wertschätzung ausgedrückt. Und zwar sowohl den Eltern gegenüber als auch den Kindern, denen die Eingwöhnung in die Gruppe erleichtert wird, wenn die Fachkräfte sich bemühen, auch ein paar Worte in der Familiensprache des Kindes zu sprechen. Die ErzieherInnen können sich so aucho auch als Lernende, die von den Kindern lernen wollen, zeigen. In einer Einführung werden diese Grundgedanken für die Nutzer des Dolmetschers erläutert.

Mit insgesamt 10 Sprachen sind viele der klassischen Migrantensprachen abgedeckt. Diese sind (in der Reihenfolge des Buches): Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Polnisch, Serbisch, Rumänisch, Türkisch und Arabisch.

„Auch die Bewertung von Sprachen kann eine Form unbeabsichtigter Ausgrenzung sein. So stehen europäische Sprachen oft im Ansehen höher als etwa die kurdische oder die arabische Sprache.“(S.7)

Und dennoch ist auch die Reihenfolge der Sprachen im Dolmetscher nach diesem Prinzip aufgebaut: zuerst die hochangesehenen europäischen Sprachen (Englisch, Französich, etc.), dann die eher randständigen europäischen Sprachen (serbisch, rumänisch) und dann erst türkisch und arabisch. Warum nicht in einer alphabetischen Reihenfolge? Ganz subjektiv, aber ich glaube nicht, dass Englisch und Französisch die relevantesten Sprachen in den Kindergärten sind…

Eine Erzieherin, die den Dolmetscher bereits in ihrer Arbeit anwendet, weist noch auf einen weiteren problematischen Punkt hin: Die Kinder sprechen als Familiensprache oft nicht die Standardsprache, sondern oft einen regionalen Dialekt – für diese Kinder sind die Wörter des Dolmetschers daher oft genauso fremd wie die deutschen.

Trotzdem: отли́чно! Und empfehlenswert!

(Klein & Groß (2006): Dolmetscher für ErzieherInnen. Weinheim: Beltz.)

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Kitchen Stories

Ein Film, der schon lange auf der „Will-ich-unbedingt-gucken-komme-aber-nicht-dazu“-Liste stand, ist „Kichen Stories“ des norwegischen Regisseurs Bent Hamer (2003).

Anfang der Woche habe ich ihn dann in der Bibliothek erspät, direkt ausgeliehen, am Mittwoch noch mit den Kollegen drüber gesprochen und am Freitag Abend endlich angeschaut. Und seitdem geht er mir nicht aus dem Kopf. Weil er so anrührend ist. So traurig. So menschlich. So schön.

Und weil er einiges zum Forschen, insbesondere zur Beobachtung, zu sagen hat, was ich sehr wichtig und richtig finde.

Die Story in Kürze: Das schwedische Haushaltsforschungsinstitut möchte das Verhalten norwegischer alleinlebender Männer in ihren Küchen erforschen (warum auch immer – will Ikea neue Küchenmodelle entwerfen???) und schickt dazu eine ganze Mannschaft an eleganten Forschern im Anzug mit Wohnmobil und Hochsitz ins Feld. Sie stellen ihren Hochsitz in den Küchen der Freiwilligen auf und sollen die Wege, welche die Männer in ihren Küchen zurücklegen, und das, was sie wann machen, sorgfältig aufzeichnen. Dabei sollen sie – um die Objektivität zu wahren – auf gar keinen Fall mit ihren „Gastgebern“ interagieren. Nicht mit ihnen sprechen, nicht nach Motiven und Begründungen fragen, nicht mit ihnen gemeinsam Essen und Trinken. Eine völlig absurde Situation, die so nicht durchzuhalten ist – und auch kontraproduktiv für die Forschung.

Einer der Beobachter, Gren, bringt es auf den Punkt: „Wie kann man denn glauben, auch nur das Geringste von den Handlungen der Menschen zu verstehen, wenn man sie immer bloß beobachtet? […] Dabei müssten wir viel öfter miteinander sprechen!“

Der Film spielt in den 1950er Jahren. Aber die Grundfrage, die hier angesprochen ist, ist immer noch aktuell. Wie kann Wissenschaft aussehen, wenn es um die Erforschung menschlicher Lebenslagen geht? Wieviel „Objektivität“ (was immer das sein soll) ist nötig und möglich? Und wie kann diese gesichert werden? Durch möglichst starre Vorschriften, wie in Kitchen Stories? Im Film funktioniert diese Art der Forschung nicht, weil Isak, der „Gastgeber“/“Beforschte“, nicht mitspielt. Der Beobachter Folke sitzt in der Küche und kriegt zunächst einmal gar nichts vom Leben seines „Forschungsobjektes“ mit, weil dieser sein Leben aus der Küche auslagert und u. a. im Schlafzimmer kocht. Erst nachdem sich die beiden Männer näher gekommen sind und ein Vertrauensverhältnis besteht, kann Folke durch die Teilnahme an Isaks Leben, Einblicke auch in dessen Küchennutzung bekommen.

In der qualitativen Forschung, ganz besonders in der Ethnologie, wird daher auch kaum beobachtet, sondern immer teilnehmend beobachtet. Nur durch die Teilhabe am Alltag und an denjenigen Situationen, an denen die Forscher interessiert sind, ist ansatzweises Verstehen überhaupt möglich.

Forschend im Kindergarten zu sein, geht auch nur über eine wie auch immer ausgestaltete Teilnahme. Mit Erzieherinnen und Kindern sprechen, spielen, essen, Ausflüge machen und aufräumen. Die spannenden und die eher langweiligen Momente miterleben. Den Stress und die Freuden. Die Höhen und die Tiefen.
So kann man einen Einblick gewinnen und vielleicht verstehen, wie Kindergarten „funktioniert“. Was die aktuellen Herausforderungen und Probleme sind und welche Lösungsansätze sich dafür ergeben könnten.

Klar, die „Distanz“ geht dadurch verloren – so wenig wie Folke am Ende des Films einfach wieder verschwinden kann, so wenig kann sich auch die Forscherin oder der Forscher am Ende der Forschung einfach sang- und klanglos verabschieden.

Aber muss das denn unbedingt schlecht sein für die Erkenntnis und den „wissenschaftlichen Fortschritt“?

Ich glaube, der Film und das Thema wird mich noch eine ganze Weile weiter beschäftigen… aber für heute soll es mal gut sein.

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